Was ist SEOlogie?
Der Gründungs-Eintrag · von Ortwin Oberhauser · Stand: Juni 2026
Die SEOlogie ist die Lehre vom Sich-finden-Lassen. Sie erforscht, wie Menschen, Ideen, Produkte und Lösungen im digitalen Raum zueinanderfinden — und wie man sich für die passenden Menschen auffindbar macht, ohne sich aufzudrängen. Kurz gesagt:
SEOlogie ist die Kunst, sich von den passenden Menschen finden zu lassen.
Ihr Name trägt zwei Wurzeln in sich: SEO, die Suchmaschinenoptimierung, und Psychologie. Das ist kein Zufall — denn gefunden zu werden ist nie nur eine technische Frage. Es ist immer auch eine menschliche. An beiden Enden jeder Suche steht ein Mensch: einer, der sucht, und einer, der gefunden werden möchte. Selbst dort, wo heute eine Künstliche Intelligenz dazwischentritt, bleibt das so.
Wer sich finden lassen will, muss verstehen, wie Menschen suchen. Doch das Suchen selbst steht nicht im Mittelpunkt der SEOlogie. Im Mittelpunkt steht die Quelle: der Mensch, das Unternehmen, die Idee, das Werk, die Lösung, die gefunden werden möchte. Die SEOlogie fragt deshalb nicht zuerst: Wie suche ich? Sie fragt:
Wie werde ich auffindbar — für Menschen, zu denen ich wirklich passe?
Die SEOlogie ist eine junge Lehre. Sie erforscht etwas, das bisher kaum jemand als eigenes Feld ernst nimmt: wie man für die passenden Menschen sichtbar wird — und sichtbar bleibt. Nicht jagen. Leuchten. Über Auffindbarkeit wird meist nur im Zusammenhang mit Suchmaschinen gesprochen, und schon dieser Begriff ist genau genommen irreführend: SEOs optimieren Webprojekte, nicht Suchmaschinen.
Der Gegenstand: das Sich-Finden-Lassen
Für Werbung, Marketing, Reichweite und Sichtbarkeit gibt es Lehren, Methoden, ganze Industrien. Sie alle haben eine Richtung gemeinsam: Sie senden. Sie drücken eine Botschaft nach außen — möglichst laut, möglichst an viele.
Die SEOlogie dreht die Richtung um. Sie fragt nicht: Wie werde ich lauter? Sie fragt: Wie werde ich auffindbar — für genau die, die zu mir passen? Das ist Pull statt Push. Nicht hinterherlaufen, sondern so klar und so echt dastehen, dass die Passenden von selbst kommen.
Ihr Gegenstand ist deshalb nicht die Suchmaschine. Es ist das Finden selbst — als Vorgang zwischen Menschen. Sie umfasst alles, was dazu beiträgt, gefunden zu werden: wer man ist, was man wirklich anbietet, wie man es zeigt, wo man auffindbar ist und wer einen finden soll. Technik gehört dazu, aber ebenso Selbsterkenntnis, Sprache, Vertrauen und die Psychologie des Suchenden. Ganzheitlich, nicht in Einzelteilen.
Warum das jeden Menschen angeht
Halte einen Moment inne und denk darüber nach, was Gefundenwerden eigentlich heißt.
Das Erste, was ein Mensch auf der Welt tut, ist schreien — damit ihn jemand findet. Sieht. Hört. Hält. Und das hört nie auf. Ein Leben lang willst Du gefunden werden — von den Menschen, die zu Dir passen: von Freunden, die Dich wirklich meinen. Von der Liebe Deines Lebens. Von den Menschen, die genau das brauchen, was nur Du hast.
Die größte Angst des Menschen ist nicht der Tod. Es ist, übersehen zu werden. Etwas zu sein, etwas zu können, etwas zu geben zu haben — und niemand bemerkt es. Dafür gibt es ein Wort: Einsamkeit. Sie ist kein kleines Problem, sondern eines der größten, die es gibt.
Und es gibt die andere Seite derselben Sehnsucht. Der Mensch sucht nicht nur Erleuchtung — er will auch leuchten. Es ist dasselbe Wort, und das ist kein Zufall: Wer sein Wahres gefunden hat, beginnt zu strahlen — und wird gefunden. Sichtbar werden, sichtbar bleiben, wachsen — das gehört zusammen. Was im Dunkeln bleibt, ungesehen, verkümmert.
Doch leuchten heißt in der SEOlogie nicht blenden. Eine Plakatwand ist für alle sichtbar — und wird von den meisten übersehen; sie schreit ins Leere. Ein Leuchtturm läuft keinem Schiff hinterher — und wird doch gefunden. Er steht, er leuchtet — und genau die, die ihn brauchen, finden durch ihn ihren Weg. Das ist Sichtbarkeit im Sinne der SEOlogie: nicht für alle glänzen, sondern den Passenden Orientierung geben.
Wir tun so, als wäre Gefundenwerden eine Sache für Firmen, für Marketing, für Google. Das ist ein Irrtum. Gefundenwerden ist eine der menschlichsten Angelegenheiten überhaupt. Die SEOlogie nimmt sie zum ersten Mal als eigenes Feld ernst — als etwas, das man erforschen, verstehen und lernen kann.
In der Natur will fast nichts von allen gefunden werden
Die SEOlogie schaut auch dorthin, wo das Finden und Gefundenwerden seit Jahrmillionen erprobt wird: in die Natur. Und dort gilt eine bemerkenswerte Regel: Fast nichts will von allen gefunden werden.
Die meisten Tiere wollen nicht maximal sichtbar sein. Sie wollen für die Passenden sichtbar sein — für ihre Jungen, für ihren Partner, für ihr Rudel, für ihre Artgenossen. Vor ihren Feinden dagegen verbergen sie sich. Absolute Sichtbarkeit wäre für viele sogar lebensgefährlich.
Beim Menschen ist es, ehrlich betrachtet, nicht anders. Niemand möchte jeden als Freund. Niemand möchte jede Person als Geschäftspartner, jeden Kunden, jeden Mitarbeiter, jede Aufmerksamkeit. Warum sollte jemand tausend Anfragen bekommen wollen, wenn nur zehn davon wirklich passen?
Hier liegt einer der größten Irrtümer des modernen Marketings: der Glaube, Erfolg bedeute maximale Reichweite. Die SEOlogie hält dagegen:
Erfolg bedeutet nicht, von möglichst vielen gefunden zu werden. Erfolg bedeutet, von den passenden Menschen gefunden zu werden.
Das sind zwei völlig verschiedene Ziele — und sie verlangen zwei völlig verschiedene Arten zu handeln.
Was die SEOlogie nicht ist — und womit man sie nicht verwechseln sollte
Weil das Feld neu ist, grenzt es an Bekanntes. Drei Abgrenzungen sind wichtig — nicht, weil das jeweilige Nachbarfeld weniger wert wäre, sondern weil Verwechslung den Blick verstellt.
Nicht klassisches SEO
Suchmaschinenoptimierung beschäftigt sich vor allem damit, wie Webprojekte für Suchmaschinen lesbar, verständlich und auffindbar werden — Keywords, Struktur, Technik, Rankings. Das ist nützlich und bleibt es. Aber es ist ein Handgriff innerhalb der SEOlogie, nicht ihr Wesen. SEO fragt, ob etwas gefunden wird. Die SEOlogie fragt darüber hinaus, ob es von den passenden Menschen gefunden wird. Denn Sichtbarkeit allein genügt nicht.
Nicht Findability
Der Informationsarchitekt Peter Morville prägte mit „Ambient Findability" (2005) den Begriff der findability — wie leicht sich Dinge und Menschen auffinden lassen. Eine wertvolle, vor allem technisch-strukturelle Disziplin: Sie misst und verbessert Auffindbarkeit. Die SEOlogie misst nicht Auffindbarkeit — sie ergründet die Kunst des Sich-Finden-Lassens, einschließlich der Frage, wer man sein muss, um gefunden zu werden, und für wen. Findability beschreibt einen Zustand. Die SEOlogie ist eine Bewegung: sichtbar werden, sichtbar bleiben, sichtbarer werden — ein lebendiger Prozess, kein einmal erreichter Punkt.
Nicht Permission Marketing oder Inbound
Seth Godin („Permission Marketing") und die Inbound-Schule haben gezeigt, dass Menschen freiwillig kommen, wenn man sie nicht bedrängt — auch hier: Pull statt Push, und auch das hat seine volle Berechtigung. Aber es ist und bleibt Marketing: eine Methode mit einem Ziel, dem Verkauf. Die SEOlogie ist keine Verkaufstaktik. Sie gilt für ein Unternehmen genauso wie für einen Menschen, eine Idee oder ein Werk — überall dort, wo etwas Echtes von den passenden Menschen gefunden werden will.
Keine dieser Disziplinen ist falsch. Die SEOlogie ist schlicht etwas anderes: weder Technik noch Taktik, sondern die ganzheitliche Lehre vom Gefundenwerden — verbunden mit der Psychologie des Menschen, der sucht, und des Menschen, der gefunden werden will.
Grundprinzipien
Die SEOlogie beruht auf drei einfachen, aber anspruchsvollen Grundprinzipien:
Transparenz. Wer gefunden werden möchte, muss klar zeigen, wer er ist, was er anbietet — und was nicht. Vertrauen entsteht nicht durch perfekte Fassaden, sondern durch Nachvollziehbarkeit.
Relevanz. Sichtbarkeit hat nur Wert, wenn sie den passenden Menschen hilft. Es geht nicht darum, möglichst viele zu erreichen, sondern jene, für die das eigene Angebot wirklich Bedeutung hat.
Nachhaltigkeit. Schnell sichtbare Tricks können kurzfristig wirken, zerstören aber oft Vertrauen. Die SEOlogie denkt langfristig: an Beziehungen, Reputation, Qualität — und an eine Präsenz, die nicht ständig neu erkauft oder erzwungen werden muss.
Aus diesen Prinzipien folgt eine besondere Haltung. Die SEOlogie lädt dazu ein, nicht jedem Trend hinterherzulaufen, nicht lauter zu werden als nötig und nicht aus Angst zu kommunizieren. Sie setzt auf Klarheit statt Hype, Hilfe statt Druck und Vertrauen statt Täuschung.
Ihr Herzstück ist Authentizität: dass man sich nicht verstellen muss, um gefunden zu werden, sondern echt sein darf — denn genau das zieht die Menschen an, die wirklich passen. Selbstverständnis kommt dabei vor Sichtbarkeit: Bevor man sich finden lassen kann, muss man sich selbst verstehen — die eigenen Stärken, Schwächen, Leidenschaften. Und sie konzentriert sich auf das Wesentliche statt des Vielen: „Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann" (Antoine de Saint-Exupéry).
Ihre Inspiration zieht die SEOlogie aus alten Denkschulen — dem chinesischen Wu Wei (mühelose Wirksamkeit), dem Zen (Achtsamkeit), der Stoa (Gelassenheit und Geduld), dem Existenzialismus (den eigenen Weg gehen) und dem Minimalismus (das Wesentliche). Daraus entsteht ein Ansatz, der dem aufdringlichen Wesen klassischer Werbung bewusst widerspricht.
Sichtbarkeit braucht Pflege
Alles, was man erhalten möchte, braucht Pflege. Ein Boot, ein Haus, ein Auto, ein Garten — nichts davon kauft man einmal und vergisst es dann. Manches prüft man regelmäßig, wie das Öl im Motor; anderes fasst man erst an, wenn es bricht. Aber wer gar nicht hinsieht, verliert — langsam, leise und am Ende teuer.
Mit der Sichtbarkeit ist es genauso. Nur tut die digitale Welt gern so, als wäre sie ein Produkt: Website bauen, einmal optimieren, fertig. Doch „fertig" gibt es nicht. Die Suchenden ändern sich, der Markt ändert sich, und die Gatekeeper — Suchmaschinen wie Künstliche Intelligenzen — ändern ihre Regeln permanent. Wer heute auffindbar ist, kann morgen übersehen werden.
Die Industrie kennt das Prinzip des fortlaufenden Kümmerns seit Langem: den PDCA-Zyklus, den Kreislauf der ständigen Verbesserung. Daran angelehnt hat die SEOlogie den kontinuierlichen Optimierungs-Kreislauf für digitale Sichtbarkeit entwickelt — vier Phasen, die nie enden:
- Monitoring — kontinuierliche Beobachtung der eigenen Performance und der Plattformen.
- Potential erkennen — aus den Daten ableiten, wo Verbesserung möglich ist.
- Maßnahmen umsetzen — das Erkannte ins Tun bringen.
- Wirkung prüfen — messen, was sich bewegt hat. Und wieder von vorn.
Diese vier Phasen ersetzen statische Leistungsversprechen. Sichtbarkeit ist keine Anschaffung — sie ist etwas Lebendiges, um das man sich kümmert. Wie alles, was wachsen soll.
Forschungsfelder
Die SEOlogie ordnet ihr Wissen in vier Felder. Diese Landkarte wächst mit jedem Projekt.
Die Haltung (die Seele) — warum die SEOlogie kein Marketing ist. Im Kern ein Gerüst aus zehn Werkzeugen der Manipulation und ihren Gegenspielern (Wunschdenken ↔ Realitätssinn, künstliche Knappheit ↔ wahre Fülle, Autoritätsmaske ↔ Vertrauensanker …), jeder Gegenspieler aus einer alten Denkschule gespeist.
Das SEOlogie-Modell (woraus Auffindbarkeit besteht) — die SEOlogie baut das klassische Kommunikationsmodell um. Aus dem Empfänger werden Suchende und Passende — jene, die den Bedarf schon in sich tragen. Aus dem Sender wird die Quelle, die nicht sendet, sondern sich auffindbar macht. Zwischen beiden liegt eine Kette aus drei Komponenten: Gatekeeper (Algorithmen und Künstliche Intelligenz, die heute entscheiden wer gesehen wird), Orte / Placements (wo Sichtbarkeit entsteht) und Frage / Antwort (die inhaltliche Brücke zwischen Suche und Quelle).
Das Fundament (worauf Auffindbarkeit ruht) — Vertrauen, auf drei Ebenen, die jede für sich echt sein müssen: Organisation, Person, Produkt. Was schon vor der KI zählte, entscheidet jetzt erst recht, weil Maschinen genau dieses Zusammenspiel bewerten.
Die Bewegung (wie Sichtbarkeit lebendig bleibt) — der kontinuierliche Optimierungs-Kreislauf für digitale Sichtbarkeit: Monitoring → Potential erkennen → Maßnahmen umsetzen → Wirkung prüfen (siehe oben, „Sichtbarkeit braucht Pflege"). So wird man nicht nur gefunden — man bleibt auffindbar und wächst.
Jedes dieser Felder ist einen eigenen, tieferen Text wert — sie sind der Stoff dieses Wikis.
Wie die SEOlogie forscht
Die SEOlogie ist eine Lehre — im ursprünglichen Wortsinn: ein systematisch erarbeitetes, überprüfbares und weiterentwickelbares Wissensgebiet. Sie forscht: Sie stellt Fragen, sammelt Erkenntnisse, prüft sie und revidiert sie wenn die Wirklichkeit es verlangt. Niemand behauptet schon alles zu wissen.
Ihre Methode ist die Praxisforschung. Erkenntnisse entstehen nicht am Schreibtisch, sondern im Tun: an realen Projekten, die beobachtet, gemessen und ausgewertet werden. Was sich bewährt, wird zu Begriffen, Modellen und wiederverwendbaren Werkzeugen verdichtet; was sich nicht bewährt, wird verworfen. Der Optimierungs-Kreislauf ist dabei beides zugleich — Gegenstand der Lehre und ihr wichtigstes Forschungsinstrument: Jeder Durchlauf erzeugt Messdaten, an denen sich die Lehre selbst überprüfen lassen muss.
Und der Prüfstein ist immer dieselbe Frage: Wurde die Quelle von den passenden Menschen besser gefunden?
Der erste SEOloge
Begründet wurde die SEOlogie von Ortwin Oberhauser — dem ersten SEOlogen. Oberhauser zählt zu den Pionieren der frühen Internet-Ära und zu den ersten Suchmaschinen-Optimierern Österreichs. Schon früh nannten ihn Kollegen „den SEOlogen" — weil er das Suchen und Gefundenwerden nicht nur rein technisch anging, sondern auch von der Psychologie des Menschen her. Seit mehr als zwanzig Jahren erforscht er dieses Feld — und schreibt darüber.
Geschichte
Die SEOlogie ist nicht am Schreibtisch entstanden, sondern aus drei Jahrzehnten Praxis — und aus einer Erkenntnis, die sich in dieser Praxis langsam aufdrängte.
In den 1990er-Jahren, der Pionierzeit des Web, baute Oberhauser die ersten Websites — und stand damit vor der Frage, die ihn nicht mehr loslassen sollte: Wie werden sie gefunden? Zuerst hieß die Antwort Suchmaschinen. Später kamen die sozialen Medien dazu, heute die Künstliche Intelligenz. Die Kanäle wechselten — die Frage blieb dieselbe.
In den 2000er-Jahren wurde die Suchmaschinenoptimierung sein Beruf. Und je länger er ihn ausübte, desto deutlicher wurde eine Einsicht, die alles veränderte: Es werden gar nicht Websites gefunden. Gefunden werden die Menschen dahinter — die Firmen, die Organisationen, die Ideen, für die diese Websites gebaut wurden. Manchmal braucht es die Website nicht einmal mehr: Gefunden wird man heute auch über ein Profil, einen Beitrag, die Antwort einer KI. Mit dieser Einsicht wanderte der Blick von der Technik zum Menschen.
Die Jahre der Praxis zeigten auch, wie viel auf dem Spiel steht. Oberhauser hat Menschen weinen gesehen, weil sie nicht gefunden wurden — Unternehmer, deren Existenz daran hing. Und der Markt bezifferte es schonungslos: Als er begann, konnte sich niemand vorstellen, für einen einzigen Klick auf ein wichtiges Suchwort einen Euro zu bezahlen. Heute zahlen Firmen für manche Suchbegriffe zehn Euro und mehr — pro Klick. So teuer ist das Gefundenwerden geworden, weil so viel davon abhängt.
Aus diesen Erkenntnissen entstand der Drang, tiefer zu gehen — das Gefundenwerden nicht nur zu betreiben, sondern zu erforschen. Und irgendwann brauchte diese Forschung einen Namen. Er lag näher, als man denkt: SEO kannten die Menschen — auch wenn es nur den technischen Teil beschreibt. Psychologie kannten sie auch. SEOlogie.
2010 fand in Salzburg die erste reine SEO-Konferenz Österreichs statt, die SEOkomm; Oberhauser stand als Sprecher der Premiere auf der Bühne. Der Titel seines Vortrags — „Everyone is a publisher today" — nahm vorweg, was heute selbstverständlich ist: Jeder Mensch und jedes Unternehmen veröffentlicht. Und damit steht jeder vor derselben Frage: Wer wird gefunden — und wer bleibt unsichtbar?
Den jüngsten Anstoß gab die Künstliche Intelligenz. Als Antwortmaschinen begannen, sich zwischen die Suchenden und die Quellen zu schieben, wurde endgültig sichtbar, dass Gefundenwerden mehr ist als Suchmaschinenoptimierung. Seit Mitte der 2020er-Jahre wird die SEOlogie deshalb systematisch ausgearbeitet — ihre Begriffe, ihre Modelle, ihr Kreislauf. Dieses Wiki ist ihr öffentliches Zuhause.
Die SEOlogie in der Praxis
Angewendet wird die SEOlogie von den SEOlogen — den Praktikern der Lehre. Sie begleiten Unternehmen und Menschen dabei, sich von den passenden Menschen finden zu lassen: von der Selbsterkenntnis der Quelle über das echte Signal bis zum laufenden Kreislauf.
Den Kern bilden heute die SEOlogen um den Begründer — mit einer Arbeitsteilung, die zugleich die Forschungsweise der Lehre ist: Ortwin Oberhauser erprobt Neues im Versuch und Irrtum — erst testen, dann verstehen, dann behaupten. Enzo Oberhauser verbindet die Lehre mit dem Wissen der alten Denkschulen — denn vieles, was für das Gefundenwerden gilt, hat die Menschheit in Jahrtausenden längst erkannt; das Rad muss nicht überall neu erfunden werden. Max Nardit verantwortet Daten, Messung und Monitoring — er macht überprüfbar, was die anderen behaupten. Was diesen dreifachen Filter besteht, wird an realen Projekten erprobt. So entwickelt sich die SEOlogie weiter: Anwendung und Forschung sind untrennbar, und jedes Projekt schärft die Begriffe und Werkzeuge der Lehre.
Einordnung und offene Fragen
Eine junge Lehre muss sich Fragen gefallen lassen. Drei werden zu Recht gestellt — und sollen hier offen beantwortet sein.
Warum Lehre — und nicht Wissenschaft?
Die SEOlogie nennt sich Lehre — bewusst und präzise. Der Name sagt es selbst: -logie kommt vom Griechischen logos — Lehre, Wissen, Vernunft. Betriebswirtschaftslehre, Ingenieurslehre, Rechtslehre — sie alle begannen in der Praxis, lange bevor die Akademie sie aufnahm. Eine Lehre forscht, entwickelt Modelle, prüft und revidiert. Sie braucht dafür keinen Lehrstuhl. Sie braucht Erkenntnisse die sich überprüfen lassen.
Ist eine Lehre mit einem einzigen Begründer nicht einfach eine Meinung?
Lange war sie genau das — und sollte es auch bleiben. Oberhauser entwickelte die SEOlogie zunächst für sich selbst: als Arbeitswerkzeug, als Leitplanken für die eigene Arbeit. Ans Teilen dachte er nicht — auch weil er zweifelte, ob außer ihm überhaupt jemand ernsthaft erforschen wollen würde, warum ihn das Sich-finden-Lassen so in den Bann zieht.
Dass die SEOlogie sich geöffnet hat, war darum nicht sein Plan — es war der Verdienst anderer. Sein Sohn Enzo, der ihm Löcher in den Bauch fragte und heute fast noch begeisterter von der Sache ist als er selbst. Max Nardit, der seit über zehn Jahren mit ihm arbeitet, in Kundengesprächen immer wieder von der SEOlogie hörte — und ihr schließlich gab, was der Industrie ihr PDCA ist: den kontinuierlichen Optimierungs-Kreislauf für digitale Sichtbarkeit. Und Kunden, deren Fragen und Projekte die Lehre immer weiterbrachten. Erst als immer mehr Menschen mitdenken und mitforschen wollten, wurde aus dem privaten Werkzeug eine offene Lehre — und aus dem Zweifel eine Ehre, bei der man die Tür nicht zulassen kann.
Der Maßstab aber bleibt derselbe: ob die Begriffe, Modelle und Werkzeuge der SEOlogie so klar werden, dass andere sie anwenden, prüfen — und widerlegen — können. Genau daran wird gearbeitet, und genau dafür ist dieses Wiki da.
Der Begründer verdient mit der Anwendung Geld
Ja — und das steht hier transparent. Doch das liegt in der Natur der Sache selbst: Die SEOlogie handelt davon, Menschen, Unternehmen und Angebote mit den passenden Menschen zusammenzubringen — und wo die Passenden einander finden, entsteht Geschäft. Dass mit der SEOlogie Geld verdient wird, ist also kein Nebeneffekt, sondern Teil ihres Gegenstands. Und es gilt für jeden, der sie anwendet — nicht nur für ihren Begründer. Verwerflich ist daran nichts: Der Buddhismus kennt im Achtfachen Pfad den „rechten Lebenserwerb" — ehrlich verdienen, ohne zu täuschen und ohne zu schaden. Genau das ist der Anspruch der SEOlogie, und ihr Maßstab bleibt überprüfbar: ob die Passenden tatsächlich finden.
Daneben ist manches schlicht noch offen. Begriffe wie „Quelle", „die Suchenden" oder „Gatekeeper" sind Arbeitsnamen, die die Praxis weiter schärfen wird. Wie sich „Passung" sauber messen lässt, ist Gegenstand laufender Arbeit. Eine Lehre erkennt man nicht daran, dass sie alle Antworten hat — sondern daran, dass sie ihre offenen Fragen benennt.
Eine offene Einladung
Die SEOlogie ist kein geschlossener Zirkel, sondern eine wachsende Gemeinschaft — und sie ist zum Anwenden da. Wer sie ausprobieren will, ob als Mensch, Unternehmen oder mit einer Idee, ist ausdrücklich eingeladen, sie zu leben. Und wer ein echtes Angebot hat und die SEOlogie ernsthaft anwendet, wird voraussichtlich beides erleben: dass die passenden Menschen ihn finden — und dass sich das auch wirtschaftlich lohnt.
Auch zum Mitforschen ist die SEOlogie offen. Ideen, Beobachtungen und Erkenntnisse sind willkommen — und wer etwas beiträgt, wird als Quelle genannt. Damit die Lehre dabei eine Lehre bleibt und nicht beliebig wird, gilt zugleich, was in jeder Lehre gilt: Was in den Bestand der SEOlogie aufgenommen wird, prüft und entscheidet der Kern der SEOlogen — so, wie die Redaktion einer Fachzeitschrift prüft, was sie veröffentlicht. Geprüft wird nicht nach Geschmack, sondern am Prüfstein der Lehre: Hilft es den Passenden, einander besser zu finden?
Am Anfang steht immer dieselbe einfache, große Frage:
Wie lässt man sich finden — von den passenden Menschen?
Dank
Eine Lehre, die im Tun entsteht, entsteht nie allein.
Die SEOlogie dankt den Kern-SEOlogen Enzo Oberhauser und Max Nardit, die aus einem persönlichen Werkzeug eine offene Lehre gemacht haben. Sie dankt Victoria Oberhauser, die den Blick für die sozialen Medien einbringt. Sie dankt Matthias König, durch den die SEOlogie die Sprache des Bewegtbilds erkannt hat — und mehr und mehr versteht, wie sie einzusetzen ist. Sie dankt Josh Wise, der in Organisation und Projekten für das sorgt, was Alexander Pope das erste Gesetz des Himmels nannte: „Order is Heaven's first law." Und sie dankt dem ganzen Team der Agentur bobdo.com, dessen tägliche Arbeit der SEOlogie immer wieder Inspiration gibt.
Ein besonderer Dank gilt Fahmai Oberhauser. Sie hat dem Begründer in den zwölf Jahren, in denen sich die SEOlogie am stärksten entwickelt hat, den Rücken freigehalten — ohne ihren Halt wäre diese Lehre nie an die Öffentlichkeit gekommen. Und ein Dank ganz eigener Art gilt Odin, dem jüngsten Sohn des Begründers: Er ist es, der ihn immer wieder vom Rechner wegholt. Lange wirkte das wie eine Störung — in Wahrheit ist es eine der wichtigsten Erinnerungen, die diese Lehre kennt: Auch wer leuchten will, braucht Pausen.
Und sie dankt den Unternehmen, mit denen der Begründer in all den Jahren arbeiten durfte — meist über die Agentur bobdo.com, deren Mitgründer er ist. In jedes dieser Projekte ist die SEOlogie eingeflossen, und aus jedem Projekt ist Erkenntnis in die Lehre zurückgeflossen — oft, ohne dass das Wort „SEOlogie" dabei je fiel. Sie alle haben dieser Forschung ihr Vertrauen geschenkt. Manche von ihnen leben die SEOlogie heute mit.
Quellen und Literatur
- Ortwin Oberhauser: Die SEOlogie – Die Kunst des Sich-Finden-Lassens. Buchmanuskript, in Arbeit.
- Ortwin Oberhauser: Everyone is a publisher today. Vortrag, SEOkomm 2010, Salzburg (Folien auf SlideShare).
- Ortwin Oberhauser: Review of the 1st Austrian SEO Conference SEOkomm 2010. ortwin-oberhauser.com, November 2010.
- Gerald Steffens: SEOkomm 2011 – Recap, Konferenz und Party. seo.de, November 2011.
- Peter Morville: Ambient Findability – What We Find Changes Who We Become. O'Reilly, 2005.
- Seth Godin: Permission Marketing – Turning Strangers into Friends, and Friends into Customers. Simon & Schuster, 1999.